klb wuerzburg

Foto: Anja Legge

Quelljungfer, Mopsfledermaus, Ästiger Stachelbart. Exotisch anmutende Tier- und Pflanzenarten wie diese konnte man bei der geführten Wanderung der KLB Würzburg durch die Kernzone „Reither Mühle“ bei Oberthulba kennenlernen.

Geführt wurde die Tour von Amelie Nöth, Rangerin im Naturpark und Biosphärenreservat Bayerische Rhön. Zu ihren Aufgaben gehört es auch, Besucherinnen und Besuchern die facettenreiche Wunder der Natur vor der eigenen Haustür näherzubringen.

Los ging es am fünfeckigen gelben Schild mit der Eule und der Aufschrift „Naturschutzgebiet Kernzone“. Kernzonen sind streng geschützte Naturräume, in dem sich die Natur ohne Einfluss des Menschen nach eigenen Gesetzen entwickeln darf. Insgesamt 94 Kernzonen gibt es in der Rhön, sie stehen repräsentativ für verschiedene Naturräume im Biosphärenreservat. Die 57 Hektar große Kernzone „Reither Mühle“ ist geprägt von naturbelassenem Wald und dem wilden Bett der Thulba.

„Nicht bewirtschafteter Wald enthält viel Totholz“, informierte Amelie Nöth die 13-köpfige Gruppe. Und das ist Lebensraum für zahllose Käferarten und Pilze wie die Verzweigte Becherkoralle und den Ästigen Stachelbart. Bei einem Ausflug in die Erdgeschichte berichtete Nöth, wie das Gebiet entstand: „Vor etwa 250 Millionen Jahren wurden Sande und Tone wurden unter hohem Druck zu Buntsandstein verdichtet, die rötliche Färbung lässt auf ein einst wüstenartiges Klima schließen.“ Als sich dann das Gesteinsbecken mit Wasser füllte, siedelten sich marine Lebewesen an, unter ihnen Archosaurier, die als Vorfahren der Dinosaurier gelten. Heute fühlen sich zwischen den moosbewachsenen Gesteins-Brocken auch seltene Arten wie der Schwarzstorch und die Europäische Wildkatze wohl. Am präparierten Katzenfell, das Nöth aus dem Rucksack zauberte, ließen sich der typische schwarzen Aalstrich und der buschige Schwanz deutlich erkennen.

Beim Abstieg ins Thulbatal wandelte sich das Bild: Eichen und Hainbuchen werden von Rotbuchen und Erlen verdrängt, die Spechten, Eulen und Kauzen Unterschlupf bieten. „Dank ihrer geräuscharmen Federn fangen die lautlosen Jäger bis zu vier Mäuse pro Nacht“, erläuterte Nöth. Ebenso in den Wäldern beheimatet sind 18 der in Deutschland verbreiteten 25 Fledermausarten, darunter die streng geschützte Bechstein- und Mopsfledermaus. Als die Rangerin zwei präparierte Tiere herumreichte, sprudelten rasch eigene Erfahrungen hervor – von bevölkerten Kellern und Kirchturmstuben voller Fledermauskot.

Im Talboden erwartete die Gruppe die Thulba, in der sich Forellen, Schmerlen und Mühlkoppen tummeln. „Dreieckskopfstrudelwürmer, Köcherfliegen- und Steinfliegenlarven sind Indikatoren für eine gute Wasserqualität“, so Nöth und reichte ein Becherglas herum, das auch Irene und Thomas Weitz eingehend studierten. Die beiden waren zum ersten Mal bei einer KLB-Veranstaltung dabei und begeistert vom Reichtum des Naturjuwels. Im kälteren Wasser einer Quelle leben Spezialisten wie Quelljungfern, die Rhönquellschnecke und die Larven des Feuersalamanders. Größte Bedrohung für die Tiere mit der auffälligen Farbgebung ist der Salamanderfresser (Bsal), ein über den Zoohandel eingeschleppter Hautpilz, der in manchen Regionen Deutschlands bereits große Schäden verursacht hat. „Während gegen den Pilz nur Schuhesäubern hilft, kann man dem invasiven Amerikanischen Signalkrebs durch Fangen und Essen zu Leibe rücken“, scherzte Amelie Nöth.

Mit Sorge verwies die Rangerin auf den letzten Waldbericht aus dem Jahr 2023: „Uns erwarten unruhige Zeiten“, prognostizierte sie. Die langjährigen KLB-Mitglieder Sigrid und Georg Rottenberger konnten dies nur bestätigen; sie bewirtschaften selbst vier Hektar Wald und wissen um die dramatischen Veränderungen. Gut tat da auch der Geistliche Impuls von Silvia Weisenberger, die das „Gebet einer Ameise“ vortrug.

Bevor es zur Einkehr ins Warme ging, gab es einen Strauß heimischer Herbstblumen für Amelie Nöth: „Du hast einen großen Wissensschatz mit Leichtigkeit vermittelt“, äußerte Stefan Oppmann im Namen des Diözesanvorstands. Wolfgang Meyer zu Brickwedde dankte er bei dieser letzten Exkursion des Jahres 2026 für zahlreiche spannende Veranstaltungen.

Anja Legge (Text und Fotos)